Euthanasie / Einschläferung
Der letzte Weg
Palliativbehandlung und Entscheidung zur Euthanasie
Vorab: wir wünschen uns vermutlich alle, die Entscheidung zum Einschläfern niemals treffen zu müssen. Nicht selten höre ich "Aber in der Natur würde der ja auch von alleine sterben." Ganz ehrlich: Natur ist brutal und das nächste hungrige Raubtier hat eine ganz andere Einstellung zum Tod... Es gibt sie die Fälle, in denen ein Tier plötzlich verstirbt, aber das ist die Minderheit.
Deswegen eine Bitte: wenn Ihr Tier das Fressen einstellt, sich zurückzieht, Bewegungen vermeidet, sein Verhalten verändert, etc. - Melden Sie sich! Kein Tier sollte verhungern oder Schmerzen haben, wenn wir es verhindern können.
Es ist ganz unterschiedlich: manchmal ist es ganz plötzlich und unerwartet und manchmal ist es langer schleichender Prozess. Insbesondere bei älteren Tieren oder chronischen Erkrankungen, ist es sehr schwierig, den "richtigen" Zeitpunkt zu finden. Die Verschlechterungen verlaufen subtil und häufig in Wellenbewegungen, d.h. der eine Tag ist schlechter, der nächste aber plötzlich wieder besser. Häufig gibt es dazu noch Ratschläge aus Ihrem privaten Umfeld. Und als "normaler Mensch" weiß man dann gar nichts mehr.
Insbesondere beim geriatrischen Patienten kann es auch eine valide Entscheidung sein, sich gegen Diagnostik und Therapie zu entscheiden. Was mir wichtig ist, ist die Lebensqualität.
Vielleicht kann ein Beispiel das besser verdeutlichen: wenn wir einen 15-jährigen Hundesenior haben, bei dem ein Tumor in der Bauchhöhle diagnostiziert wurde, werde ich Ihnen vermutlich nicht zur Operation raten. Dahingegen ist mir eine gute Schmerzbehandlung der altersbedingten Gelenkschmerzen wichtig. Mir ist auch wichtig, dass Sie wissen, auf welche Zeichen Sie achten müssen, um einzuschätzen, wie es dem Hunde-Opi geht und wann Sie sich melden müssen. Kann es sein, dass wir auf dem Weg noch 5x telefonieren und Sie mir vorher jedes Mal ein Video schicken? Zwischendurch Termine haben zur Schmerzbehandlung. Gut möglich.
Wenn es dann soweit ist, tut der Verlust noch genauso weh. Aber Sie zweifeln hoffentlich nicht mehr an der Richtigkeit Ihrer Entscheidung.
Ablauf
Untersuchung/ Entscheidung zur Euthanasie
Das erste was in einem solchen Termin passiert, ist die Entscheidungsfindung. Das kann ganz unterschiedlich lange dauern: wenn ich Sie und Ihr Tier und seine Vorgeschichte kenne, kann das nur eine kurze Untersuchung sein.
Wenn wir uns zum ersten Mal sehen, möchte ich gerne die Vorgeschichte inklusive erfolgter Behandlungsversuche kennen, bevor ich mich Ihrem Tier nähere. Während Sie berichten, kann sich Ihr Tier schonmal an meine Anwesenheit gewöhnen. Dann folgt die Untersuchung.
Die Entscheidung, Ihr Tier einzuschläfern, können wir nur gemeinsam treffen. Nur, wenn Sie als Besitzer und ich als Tierarzt uns einig sind, kommt es zu diesem Schritt. (Das ist normalerweise der Fall.)
Aber manchmal kommt es auch anders. Es kann passieren, dass wir nachher eine Stunde geredet haben und das Ergebnis ist, dass wir es noch einmal versuchen. Deswegen: die Entscheidung treffen wir vor Ort. Gemeinsam.
Ablauf der Euthanasie
Ist die Entscheidung getroffen, folgt im ersten Schritt eine Narkose. Genauso, wie vor einer Operation, d.h. sowohl das Schmerzempfinden als auch das Bewusstsein sind komplett ausgeschaltet. Wenn das Tier (oder Sie) sehr aufgeregt sind, können wir vorher gerne mit einem Medikament arbeiten, was Angst und Stress reduziert.
Was ich mir wünsche: so lange, Ihr Tier bei Bewusstsein ist, möchte ich, dass eine Bezugsperson des Tieres anwesend ist. Die meisten Besitzer bleiben für den gesamten Vorgang an der Seite Ihres Tieres. Sobald Ihr Tier im Zustand der Wahrnehmungslosigkeit ist, möchte ich Sie bitten, besonders auf sich selbst aufzupassen.
Die "letzte" Spritze. Ich arbeite mit Pentobarbital. Das ist ein starkes Opioid.
Je nach Tier und Situation arbeite ich mit Venenzugang oder ohne. Dementsprechend kann das Einsetzen der Wirkung unterschiedlich lange dauern. Bei einem Venenzugang setzt die Wirkung normalerweise sehr schnell ein (weniger als 1 Minute). Arbeiten wir ohne Venenzugang (was ich bei Katzen normalerweise bevorzuge, weil ich den Stress des Zuganglegens, gerne vermeide), dauert es nach jeder Injektion rund 10min bis die Medikamentenwirkung einsetzt. Ich bin die gesamte Zeit bei Ihnen und Ihrem Tier. Ich verlasse Sie erst, wenn ich kontrolliert habe, dass der Herzschlag wirklich weg ist.
Was kann passieren?
- Übelkeit: Ist eine typische Nebenwirkung der Narkose (deswegen müssen auch Sie vor jeder OP nüchtern bleiben). Ich versuche mit der Narkose gegenzusteuern und die Übelkeit zu reduzieren, aber das gelingt nicht immer.
- Die Augen bleiben offen in der Narkose und auch im Tod. Bitte nicht gruseln, das ist normal.
- Die Schließmuskel arbeiten nicht mehr. Bereits mit Einsetzen der Narkose kann Ihr Tier den Schließmuskel nicht mehr kontrollieren. Bitte haben Sie waschbare Unterlagen bereit. Ich kann leider nicht ausschließen, dass es zu Kot-, Urin- oder Blutverschmutzungen kommt.
Danach
Der Tierkörper verbleibt bei Ihnen. Sie haben verschiedene Möglichkeiten:
- Beerdigung im eigenen Garten: ist erlaubt (sofern Sie nicht in einem Trinkwasserschutzgebiet wohnen).
- Kremierung/ Tierfriedhof: Es gibt verschiedene Anbieter, die Ihnen normalerweise Ihre Wünsche erfüllen können. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Sprechen Sie an besten mit den Kollegen, was Ihnen wichtig ist.
Persönlich kenne ich die Kollegen vom Berliner Tierfriedhof in Tempelhof, die Sie Tag und Nacht unter 030 703 703 04 erreichen können, die ich als sehr einfühlsam und kompetent erlebe.